Video-Ausstellung

Video-Ausstellung
Donnerstag | 19. April 2018 | 14:00 Uhr


Nicoline van Harskamp
Video-Installationen
ENGLISHES + PDGN
30. März – 22. April 2018
Eröffnung: 29. März, 19.30 Uhr

Nicoline van Harskamp nimmt ihre erste Einzelausstellung in Deutschland zum Anlass, um in der Kunsthalle Münster fünf filmische Werke zu präsentieren, die Teil einer fortlaufenden Reihe mit dem Titel „Englishes“ sind. Dazu werden in Dauerschleife fünf Videos aus einer Serie von insgesamt acht Ein-Kanal-Videos mit Interviews, Performances und geschriebener Fiktion gezeigt, in denen die unzähligen Variationen des zwischen-menschlich gesprochenen Englisch als Verbindungssprache ergründet werden:

Portrait of an Englishes Collector, 2015, 22’29 (Ausschnitt)
Her Production, 2014, 4’07
Wer Mae Hao, 2015, 7’44
Darling Good Night, 2016, 6’30 (Ausschnitt)
A Romance in Five Acts and Twenty-one Englishes, 2015, 6’30 (Ausschnitt)

Das künstlerische Forschungskonzept Englishes (2013-2016) erkundet die weit verbreitete Nutzung und Anpassung der englischen Sprache durch Menschen anderer Muttersprachen. Jeder der Teile, die in Zusammenarbeit mit einer Reihe künstlerischer Einrichtungen und Universitäten recherchiert und produziert wurden, thematisiert einen speziellen Bereich der Linguistik, beispielsweise Phonologie, Pragmatik oder Übersetzung. – Die Forschungen sind direkt in die Sprachprognosen eingeflossen, welche im Werk PDGN (2016) vorgestellt werden.

ENGLISHES
In der fünfteiligen Filmreihe „Englisches“ stellt Nicoline van Harskamp auf eindrückliche Weise die Frage nach Identität und Kollektivität sowie Selbstbestimmung und Selbstbehauptung im Spiegelbild der Kommunikation. Nicoline van Harskamp versetzt in ihren Filmen das menschliche Bedürfnis nach Kommunikation in einen „experimentellen Werkstattmodus“ und reflektiert die globale Tendenz, die englische Sprache als Lingua Franca zu „installieren“. Forschungsgegenstand ist das gesprochene Englisch von Nicht-Muttersprachlern.

Dabei tauchen Fragen auf, die von aktueller Relevanz sind: Ist das Praktizieren einer Sprache nur ein Instrument der Kommunikation? Oder ist Sprache ein Zeichensystem, in dem sich kulturelle Identität und dessen Wandel manifestieren? Gibt es überhaupt eine „reine“ Muttersprache, oder sind alle Sprachen „Hybride“, die kontinuierlich Einflüsse von anderen Sprachsystemen assimilieren und letztlich von ökonomischen und soziologischen Faktoren bestimmt sind?
Die Ausstellung von Nicoline van Harskamp lenkt dabei den Blick auf die Pluralität und Flexionen der gesprochenen und gelebten Sprache und befasst sich auf komplexe Weise mit der gesellschaftlichen Bedeutung dieser Sprachentwicklungen. Van Harskamp arbeitet dabei filmisch und performativ die durchgängige Verankerung des Sprachgebrauchs in Klassen- und Machtstrukturen heraus und hält einen Lösungsvorschlag bereit: Sie plädiert sie für eine Auflösung eines restriktiven Sprachgebrauchs und für die Einführung von ENGLISHES – verstanden als lebendiges Depot einer stetig wachsenden linguistischen Ressource der englisch-sprechenden Weltgemeinschaft.

Letztendlich ein bemerkenswert einfaches Konzept für das Zusammenleben von immer globaler werdenden und durch Krisen verbundenen (wie getrennten) Gesellschaften, denen gemeinsam ist, dass sie mit der Neudefinition von „Heimat“ auch ihre sprachlichen Identitäten neu definieren müssen.

PDGN
PDGN ist ein kurzes, fiktionales Video, das eine Zukunft zeigt, in der sich zwischen Menschen aus aller Welt durch freiwilliges Selbststudium eine neue Verbindungssprache entwickelt. Unter PDGN („Pidgin“) versteht man ursprünglich eine Sprache der englischen und chinesischen Händler des 17. Jahrhunderts; sie ist eine Mischung aus Englisch und Mandarin.
Das Drehbuch für PDGN wurde aus tatsächlich gesprochenem, nicht-muttersprachlichem Englisch konstruiert, das in früheren Werken von van Harskamp sowie in einer Reihe von Workshops aufgezeichnet wurde. Teilnehmende diverser Sprachkombinationen ließen ihre Stimmen zu Themen wie Turmbau zu Babel, kulturelle Namensgebung und historische weibliche Figuren in das Drehbuch einfließen. Einige Aspekte von Sprache und Erzählung sind feministischer Fiktion entliehen, in der Systeme für den Sprachwandel verhandelt werden.

Die Sprache für das Drehbuch wurde zudem durch Anwendung gängiger und zu erwartender Faktoren der Sprachentwicklung im Bereich Syntax, Lexikon und Phonetik entwickelt. Diese „verzerrenden Faktoren“ wurden unter akademischer Hilfestellung aus den Fachbereichen Kreolsprachwissenschaften, Computerlinguistik und Spracherwerb sowie seitens Praktizierender von Esperanto, Hobby-Sprachentwicklern und -ent¬wick¬lerinnen sowie der Hauptdarstellerinnen entwickelt. – Das Video ist zu diesem Anlass auf Deutsch untertitelt. Es existieren Versionen mit Untertiteln auf Swahili, Mandarin, Arabisch, Spanisch, Schwedisch, Niederländisch und Französisch; jedoch keine mit „zeitgenössischem“ Englisch.

Veranstaltungshinweis:
Am Sonntag, den 15. April, 15 Uhr und 17 Uhr lädt die Kunsthalle zur Performance „SOME NAME SOME NOUN SIMPLY“ von Nicoline van Harskamp ein. Die Performance wird von Monica Reyes, Serge Fouha und Kenneth Philip George inszeniert wird. Jeweils nach den beiden Aufführungen besteht die Gelegenheit gibt, mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen zur Ausstellung: http://www.kunsthalle.muenster.de (Aktuelles + Presse)

Die Ausstellung wird gefördert durch: AFK (Amsterdams Fonds voor de Kunst), Stadtwerke Münster
Die Kunsthalle Münster wird unterstützt von dem Freundeskreis der Kunsthalle Münster. Die Kunsthalle Münster ist eine Institution der Stadt Münster.

Photocredit: Nicoline van Harskamp, PDGN, Ein-Kanal-Video, 2016
Videostill von Nicoline van Harskamp