Kaschemme Punkt Acht

Kaschemme Punkt Acht
Freitag | 8. Dezember 2017 | 20:00 Uhr


VVK ab: 18.11.

Diesmal wird es konspirativ. Wir verraten eines der bestgehüteten Geheimnisse der Stadt und bringen unsere Zuschauer an einen Ort, von dessen Existenz niemand etwas ahnt… Auf einem Privatgrundstück mitten in Münsters Innenstadt führt eine Treppe ins Erdreich. Dort unten befindet sich der ehemalige Bierkeller einer Kneipe, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr existiert. Ein Ort wie aus der Zeit gefallen: Funzelige Öllampen tauchen das Tonnengewölbe in ein unstetes Licht, und vor leeren Weinfässern sitzen die Gäste und schlürfen den selbstgebrauten Cidre der Wirtin.

Diese Kaschemme könnte eine Gaunerspelunke sein, ein Treffpunkt für zwielichtige Gestalten und Umschlagplatz für unmoralische Angebote. Und so ist es nur logisch, dass wir genau hier auf einen der größten Halunken aller Zeiten treffen: Eugène François Vidocq, Inbegriff des charmanten Schlitzohrs. Ein kleiner Ganove, der die französische Gendarmerie dutzende Male überlistet hat. Der in immer neuen Verwandlungen noch aus den besten Hochsicherheitsgefängnissen ausbrach, buchstäblich vor den Augen der arglosen Wachen. Und der, dank solcher Streiche, in der Unterwelt des nachrevolutionären Frankreichs zum Idol und zur Legende wurde.

Wir begegnen Vidocq am Wendepunkt seines turbulenten Lebens. Als notorischer Ausbrecher ist er, auch ohne kapitale Straftaten, in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Seine einzige Chance, der Guillotine zu entgehen, ist ein spektakulärer Seitenwechsel. Er dient sich der Polizei als Spitzel an, um fortan die wirklich schweren Jungs hinter Gitter zu bringen. Dass dies der Anfang einer steilen Karriere ist, die ihn innerhalb weniger Jahre zum obersten Polizisten Frankreichs werden lässt, ahnt er zu diesem Zeitpunkt, beim vertraulichen Stelldichein mit einem Pariser Kommissar, wohl nicht einmal selbst…

Kurzum, ein überwältigend schöner Spielort und eine so wahre wie unglaubliche Geschichte. Was noch fehlt, ist ein starker Darsteller, der die vielschichtige Figur zum Leben erweckt. Doch diejenigen unter Ihnen, die in den vergangenen Jahren mitverfolgt haben, wie sich Johan Schüling vom talentierten Jungschauspieler zum wandelbaren Charaktermimen entwickelt hat, der als tragikomischer Gregor Samsa genau so überzeugend ist wie als quirliges Rollenchamäleon im Blauen Haus – die werden beipflichten, dass Regisseur Zeha Schröder nicht lang suchen musste, um „seinen“ Vidocq zu finden…..